Mechtild Lutze „Menschen mit Behinderung leben viel zu häufig in Parallelwelten “

Versucht man Mechtild Lutzes Lebenslauf zu folgen, findet man sich auf einem rasanten Zickzack-Weg wieder, auf dem bald keine Wendung mehr undenkbar erscheint. Unsere Autorin beendete in der Nähe von Osnabrück die Hauptschule, um darauf  eine Ausbildung zur Arzthelferin zu machen. Unzufrieden mit diesem Beruf, entschied sie sich für eine Wendung in ihrem Leben und holte das Abitur nach: anderthalb Jahre in der Abendrealschule und drei Jahre im Abendgymnasium. Nach einem Auslandsaufenthalt in England zog es sie nach Berlin, wo sie zunächst Geographie studierte, aber nach einem Jahr zu den Sozialwissenschaften wechselte – Soziologie, Politik, Psychologie und Pädagogik reizten sie doch mehr.

Schon zu diesem Zeitpunkt entdeckte sie ihre Leidenschaft für andere Länder und andere Kulturen; ein Studienaufenthalt in Sambia brachte ihr den Stoff für ihre Diplomabschlussarbeit. Nachdem sie sich im Studium intensiv mit Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt hatte, begann sie zunächst im Gesundheitsbereich zu arbeiten, bis sie selbst Kurse in Ernährung und Gesundheitsbildung gab. Eine Sonderpädagogische Zusatzausbildung führte sie jedoch wieder auf ein anderes Feld. Zehn Jahre arbeitete sie bei einem freien Träger in der Behindertenhilfe, im unterstützten Wohnen, bis sie sich entschied, noch einmal auszusteigen und eine Weltreise zu machen. Sie gab ihre Leitungsstelle auf, um ihren Träumen nachzugehen und lernte wieder neue Welten kennen. Auf der Reise erfüllte sich ein lang getragener Traum, denn mit einem Mal kam ihr die Idee für „Der zweite Mond“, ihr erster Roman, der inzwischen im Schardt Verlag veröffentlicht ist. Inzwischen ist sie zurückgekehrt in ihr Arbeitsfeld der Behindertenhilfe und berät Menschen zum unterstützten Wohnen, doch seit ihrer großen Reise gehört das Schreiben zu ihrem Leben. Durch die Biografiepaten kommt Mechtild Lutze privat mit den Menschen in Berührung, mit denen sie sonst arbeitet. Das ist zwar neu, doch Berührungsängste hat sie nicht. Ihr ist es wichtig ein breiteres Bewusstsein zu schaffen, denn Menschen mit Behinderung würden ihrer Ansicht nach im öffentlichen Raum zu wenig wahrgenommen, da sie vielfach in Parallelwelten leben.

Ihre Biografiepatin beschreibt Mechtild Lutze als eine Frau, die gerne lebt und ihre Sehbehinderung als einen Teil ihrer selbst angenommen hat. Nie hat sie sich vergraben, sondern im Gegenteil, das Leben voll ausgeschöpft, ohne sich von ihren geschwächten Augen stören zu lassen. Als ein Kind der Nazizeit hat sie viele spannende Geschichten zu erzählen, die Mechtild Lutze in ihre Biografie-Geschichte einfließen ließ.  Es hat unserer Autorin Spaß gemacht der selbstbewussten Dame zuzuhören und sich von ihr zu einer Geschichte inspirieren zu lassen, die nicht nur neue Sinne entdecken lässt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes neue Welten.

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