Michaela Gericke: „Eine Mischung aus Faszination und der eigenen Angst vor der Dunkelheit“

Die waschechte Berlinerin arbeitet als freiberufliche Journalistin.

Michaela Gericke beschreibt sich selbst als einen sehr visuellen Menschen: Sie muss die Dinge gesehen haben, um sie zu Papier zu bringen. Umso spannender war die Erfahrung für sie, auf einen blinden Menschen zu treffen, der ihr seine Welt beschrieb, ohne sie jemals mit den Augen erfasst zu haben.

Michaela Gericke ist begeisterte Radiojournalistin. Schon vor ihrem Studium der Soziologie, Publizistik, Theaterwissenschaften und Psychologie wusste sie, dass sie für dieses Medium schreiben wollte. Ihre Themen drehen sich vor allem um bildende Kunst, sie porträtiert Fotografen, Künstler und Musiker, besonders gern auch Menschen aus dem Backstage; sie schreibt Reportagen, auch über das, was am Rande der Gesellschaft passiert und publiziert das in öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten. Mit Blinden ist sie bisher kaum zusammengekommen, denn dieses Thema taucht so gut wie nie auf. Bereits zu Beginn des Projektes fühlte sie sich persönlich berührt: „Da ist eine Mischung aus Verunsicherung und Respekt, und der eigenen Angst vor der Dunkelheit.“ Schließlich kann Blindheit die Komponente eines jeden Lebens werden. Michaela Gericke erlebte eine doppelte Herausforderung: durch das Biografiepatenprojekt näherte sie sich zum ersten Mal einem blinden Menschen, und auch das fiktive Schreiben war für sie neu. Darin konnte sie bislang unbekannte Seiten entdecken: „Es hat einen ganz anderen Fluss als die Arbeit an Hörfunkbeiträgen.“ Das Projekt hat sie inspiriert, sich weiter mit dem kreativen Schreiben zu beschäftigen und die Phantasie spielen zu lassen, um auch in sich selbst mehr zu entdecken und aus dem eigenen Inneren zu schöpfen.

So sind Miniatur-Geschichten über einen Menschen entstanden, der aus der Welt der Fürsorge fliehen konnte, sich aber gelegentlich in Gefahrensituationen wiederfindet, die entstehen, weil er blind ist. Hinter dieser Figur steht ein aktiver, engagierter Mensch, vor dessen Lebensleistung Michaela Gericke große Achtung hat. Und das nicht, weil er vielleicht trotz seiner Blindheit so erfolgreich ist, sondern, weil er viel mehr erlebt und erreicht hat als mancher Sehende. Dass er sich zum jüngsten Geburtstag einen Segelflug gewünscht und auch geschenkt bekommen hat, überrascht sie inzwischen überhaupt nicht mehr.

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