Larissa Böhning: „Je differenzierter die Wahrnehmung, desto differenzierter der Text.“

Die Schriftstellerin Larissa Boehning ist Autorin für unser Projekt.  Mit dem erfolgreichen Vorläuferprojekt Erzählpaten gab sie uns den Anstoß für eine Auseinandersetzung mit den Lebensgeschichten blinder und sehbehinderter Menschen.

Als Autorin für das Biografiepaten-Projekt betritt Larissa Boehning Neuland. Sie hat uns erzählt, dass sie zu Beginn ihrer Geschichte, von ihrem visuellen Schreibstil geprägt, zuerst einmal begann die Gegenstände im Raum zu erfassen. Bis sie bemerkte, dass sie gerade dabei ist, die Geschichte aus dem Blickwinkel einer Sehenden zu schreiben! In diesem Moment offenbarte sich für sie die eigentliche Herausforderung, sie schloss die Augen und begann sich Geräusche, Stimmen und den Tonfall ihres Gegenübers vorzustellen.

Besonders spannend findet Larissa die Begegnung mit einer Person, die einen ganz eigenen Zugang zur und eine ganz eigene Wahrnehmung auf die Welt hat. Das Thema Wahrnehmung begleitet sie schon seit sie begann zu schreiben: „Je differenzierter unsere Wahrnehmung, desto differenzierter wird am Ende auch der Text.“ Daneben haben sie schon immer die Geschichten und Perspektiven von Frauen interessiert, auch über mehrere Generationen hinweg. Um diese Themen drehen sich in der Regel ihre Romane und Kurzgeschichten: Für ihren Roman Schwalbensommer erhielt sie den Mara-Cassens-Preis für den besten deutschsprachigen Debutroman.

Larissa Boehning hat in Berlin und Lüneburg Kulturwissenschaften, Philosophie und Kunstgeschichte studiert und lebt nach mehreren längeren Auslandsaufenthalten mit ihrer Familie in Berlin. Sie engagiert sich hier für den Erhalt des Unternehmerinnen und Gründerinnenzentrums (UCW,) in dem auch sie ihr berufliches Zuhause gefunden hat, denn ihr ist es wichtig, gerade Frauen in der Gründung einer unternehmerischen Existenz zu unterstützen.

Für das Projekt Biografiepaten trifft sie sich nun mit einer jungen Frau, um ihre Lebensgeschichte einzufangen und sie in Literatur zu verwandeln. Sie wird sich dabei auf Schlüsselmomente im Leben ihrer Patin konzentrieren, um das Große im Kleinen zu erzählen. Der Unfall, durch den sie ihr Augenlicht verlor, gehört zu einem solchen Moment und entsprechend viel Kraft erfordert es von beiden, darüber zu sprechen. Larissa ist ihrer Biografiepatin unendlich dankbar für das großzügige Vertrauen.  Denn das braucht sie, um in Kopf und Herz der Figur, die sie durch den Prozess erschaffen wird, hinein zu schlüpfen. Sie möchte sich von den Bildern, die ihre Biografiepatin ihr gibt, leiten lassen, um daraus eine eigene Geschichte zu weben.

Foto: Julia Baier

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s